Freitag, 27. Januar 2012

Lovestory


Es war einmal...

so fangen alle Märchen an, aber auch diese Geschichte über ein Ehepaar.

Sophia und Dean kannten und liebten sich seit der High School, eigentlich kannten sie sich schon früher, denn ihre Eltern waren miteinander befreundet und so blieb es nicht aus, dass die Kinder sich ebenfalls kennenlernten und aus Freundschaft Liebe wurde.

Nach der High School ging Sophia aufs College und arbeitete nach ihrem Abschluss bei einer Bostoner Zeitung; Dean, der schon immer ein Faible für Autos hatte, baute sich seine eigene Werkstatt auf, die erfolgreich lief.

Sie liebten sich, das war keine Frage und als sie vor 5 Jahren endlich heirateten, ging vor allem für Sophia ein Traum in Erfüllung; ein Mann und Kinder, das war es immer was sie wollte.

Doch Dean meinte, mit den Kindern hätten sie noch Zeit und so lebte das Paar erst ihre Träume aus, Reisen nach Europa, Australien, Südamerika, bauten ein Haus in einem ruhigen Vorort und genossen die Zweisamkeit.

Und doch kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich fragt, ob es das ist, was man will, so wie man im Moment lebt, wenn es Zeiten gibt, die einen zweifeln lassen, ob man das Richtige tut. Wenn man sich Fragen stellt, ob man glücklich mit seinem Leben ist, oder ob man das Gefühl hat, man verpasst etwas.

Mit diesen Fragen erwachte auch Dean eines Morgens, was wenn das Leben, das er mit Sophia lebte, nicht das war, was er eigentlich wollte, wenn es nicht das Leben war, was eigentlich für ihn bestimmt war, was wenn er und seine Frau sich zu früh aneinander gebunden hatten, ohne dass sie getrennt voneinander ihr Leben gelebt hatten? Er liebte Sophia und doch machten sich Zweifel ihn im breit, er könnte etwas verpasst haben.

Ja, es war egoistisch und er dachte weder an seine junge Ehefrau, noch an sein ungeborenes Kind, welches Sophia unter ihrem Herzen trug, und von dessen Existenz er noch gar nichts wusste, da Sophia annahm er würde sich nicht darüber freuen, so hatte sie vor einem Monat mit zitternden Händen den Schwangerschaftstest gemacht und als er positiv war, wusste sie nicht, ob sie lachen oder weinen sollte, sie freute sich und doch wusste sie nicht, wie Dean reagieren würde, wenn er diese Neuigkeiten erfahren würde.

Und dann teilte Dean seiner Frau an einem sonnigen Samstagmorgen im Mai nach dem Frühstück mit, dass er sie verlassen und die Scheidung einreichen würde, er sagte ihr, es fehle ihm etwas in seinem Leben, dass er Angst hätte, sein Leben nicht gelebt zu haben, dass er sich selber finden müsse und das was am Besten für ihn sei.

So kam es, dass Sophia und Dean, das Vorzeigeehepaar, sich trennten und er nichts von seinem ungeborenen Töchterchen wusste.

Während sich Sophia nun immer weiter aus dem alltäglichen und sozialen Leben zurück zog, da sie es nicht verstehen wollte und konnte, wie ihr Mann nur so eiskalt war und er die Jahre, die sie gemeinsam verbracht hatten und in denen sie sich aufrichtig liebten, einfach so weggeworfen hatte, genoss Dean zunächst seine zurück gewonnene Freiheit, ein Leben ohne Druck, ohne sich Sorgen um andere machen zu müssen. Er verbrachte die Nächte oft in den angesagtesten Clubs in New York und vergnügte sich mit zahlreichen Frauen.

Nicht, dass ihn dies glücklich machte oder zufrieden stellte, nein, vielmehr wurde es zum Verdrängen seiner Gefühle und seiner Traurigket, dass er das wertvollste, was er besessen hatte, seine Frau und die Liebe zu ihr, mit Füßen getreten hatte und einfach so im Stich gelassen hatte für einen Wimpernschlag an Selbstbefriedigung und vermeintlichem Glück. Doch er konnte nicht zurück.

Und schließlich eines Nachmittags im September, sah er sie wieder in ihrem Lieblingscafé in Boston, sie unterhielt sich mit einem Mann; Eifersucht, Wut und zugleich Traurigkeit stiegen in ihm hoch, als er sie mit ihm und ihrem Lächeln sah, in das er sich vor vielen Jahren so verliebte.

Doch dann geschah es, dass sie ihn auf der anderen Straßenseite stehen sah und ihm selbst dieses bezaubernde Lächeln schenkte. Als sie aufstand, konnte er die Wölbung ihres Bauches erkennen und Dean wurde klar, dass es sein Kind sein musste; in den letzten Monaten hatte er nie so gefühlt, wie er es jetzt tat. Glück, Liebe, das endlich angekommen Sein, die Bitterkeit, erst jetzt zu erkennen, wer wirklich wichtig war in seinem Leben, was ihn glücklich machte und wie und mit wem er sein Leben leben wollte.

Sophia und Dean lächelten sich einander zu und beide wussten, dass es für sie noch eine Chance gemeinsam geben würde. Dean wollte seiner Ehefrau sagen, wenn sie die Straße überquert hatte, wie sehr er sich über dieses Baby freute, dass sie erwartete.

Und keiner der beiden glücklichen Menschen nahm den Bus der Linie 413 wahr, der die junge Frau in der Mitte der Straße mit voller Wucht und Intensität erwischte, sie zu Boden riss und ihr keine Chance mehr ließ.


©Franziska L.

Kommentare:

  1. Wow, mir fehlen die Worte. Sehr krasse Geschichte.

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  2. Deine Geschichte ist echt der Wahnsinn und regt sehr zum Nachdenken an. Da wird einem mal wieder bewusst, wie schnell es doch vorbei sein kann... Vielen Dank für diese tolle Geschichte!!! Ich hoffe davon können wir bald mehr lesen :-)

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